Europäismus-2

Dan Diner

Im Takt des kalten Krieges

 


MacroAnalyst fügt hier - neben Ulrich Speck - eine weitere Fundstelle an,
die europäischen Intellektuellen mit aufblitzendem Hohn folgendes in Erinnerung ruft:

„Viel zu lange hat man Europa als Idee und Wirklichkeit für einen Selbstläufer gehalten –
und .. die Tatsache übersehen, dass Europa recht eigentlich
ein Kind des Kalten Krieges gewesen war“.

„Die Institutionen Europas wurden im Takt der Krisen des Kalten Krieges geschaffen.
Solange es um die ökonomische Integration ging, waren allenthalben Kompromisse möglich.
Sobald aber existentielle Fragen ins Spiel kamen,
konnte es um die Langmut schnell geschehen sein“.

„Mit dem Ende des Kalten Krieges wurde still und leise
jenes unsichtbare Gerüst abgebaut, das dem Gebäude der europäischen Einigung
jahrzehntelang Halt gegeben hatte“.

„Und im Rückblick soll es scheinen, als sei Europa stets
ein Projekt der Abgrenzung von Amerika gewesen. Dabei wird ignoriert,
wer Pate des Unternehmens gewesen war. Wer dazu neigt,
das Projekt Europa für einen Selbstläufer des europäischen Geistes zu halten,
sollte sich in Erinnerung rufen, wie viel Europa an
wesentlichen Weggabelungen Amerika zu verdanken hat".

  


Quelle:

Dan Diner, Professor für Neuere Geschichte, Hebrew University, Jerusalem:
Der Artikel erschien mit folgender Überschrift unmittelbar nach der Volksbefragung in Frankreich:
„Die EU darf kein volkseigener Betrieb sein“        
(FAZ vom 19. Juni 2005)
 

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