Das Ergebnis:
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zur Startseite Was ist nun das Ergebnis der vorstehenden Analyse? MacroAnalyst versucht eine erste Annäherung an eine Basis für politische Schlussfolgerungen.
1. Das System von Nationalstaaten mutiert in ein globales Machtsystem Aus
langer Gewohnheit heraus wird politische Macht nach wie vor am
Nationalstaat festgemacht. Hier
wird die äußere Form für die tatsächliche Machtverteilung genommen. Gestern, das war
bereits das
Thema des Machtzuwachses der trans- und multinationalen Konzerne. In
der global vernetzten Welt verlieren die Staaten an politischer Macht.
Andere Strukturen treten an ihre Stelle. Sie sind zwar noch immer die mächtigste Nation, aber nicht mehr die mächtigste Macht. Das lässt sich zwiefach belegen: Erstens aus dem ökonomischen Blickwinkel heraus: Mächtigste Nation sind die USA immer noch, aus militärischen wie politischen Gründen. Wirtschaftlich sind sie aber auch dies schon nicht mehr. "Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die USA aus eigenem Interesse die Verantwortung für das Wohlergehen des kapitalistischen Weltsystems" (Gerald Haines). Diese Rolle brachte ihnen gigantisches Wachstum, führte zum Status der erfolgreichsten Wirtschaftsnation. Dieses Erfolgsbild hat inzwischen schwere Risse:
Vor über 30
Jahren haben die USA bereits ihre außenwirtschaftliche
Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Das seitdem stetig ansteigende Defizit in
der Handels- und Leistungsbilanz unterminiert schleichend die ökonomische
Position der Weltmacht USA.
Eine
permanent negative Leistungsbilanz geht mit einem Verlust ökonomischer
Macht einher. Ausländer erwerben immer größere Anteile des US-Vermögens.
Dieser ökonomische Machtverlust zieht langfristig unweigerlich einen Verlust politischer Macht nach sich. Die Erosion zeigt sich zuerst in den operativen Einheiten, den Unternehmen. Da diese die Basis der USA sind, wird der schleichende Machtverlust Schritt für Schritt den Überbau der Weltmacht USA unterminieren. Dies ist der Preis, den die Nation „USA“ für ihr hohes Wachstum zahlen muss. Unsere Website hat
versucht, genau diesen Aspekt herauszuarbeiten. Diesen Machtzuwachs nutzten sie in doppelter Hinsicht: Erstens schufen sie eine neue globale Finanzarchitektur, an deren Spitze die dynamischsten Akteure, die Investment Banken selbst, stehen. Zweitens resultierte aus ihren Aktivitäten ein neues Weltmachtsystem, „Global Governance“, an dessen Spitze nicht mehr die USA, sondern die Finanzwelt positioniert ist. Zwar sitzen die
mächtigsten Investment-Banken in den USA. Trotzdem sind die
Investment Banken nicht gleich USA . Weiter noch: Das belegen die folgenden ausgewählten Fallbeispiele. 2. Fallbeispiele Fallbeispiel 1:
Im November
2003 bestellt der Chef der größten Investment Bank der Welt den Chef der
drittgrößten Volkswirtschaft der Welt zu einem Gespräch - an seinen
Dienstsitz. Zehn Finanzvorstände großer DAX-Unternehmen müssen anschließend dem Bundeskanzler klarmachen, welche Katastrophe der Verkauf der größten deutschen Bank für die Exportfinanzierung deutscher Unternehmen darstellte. Fallbeispiel
2: Unter dem Einfluss von scharenweise als Regierungsberater eingereisten „Harvard Boys“ beschloss Boris Jelzin Ende 1992 die Privatisierung der Staatsindustrie. Die Privatisierungsverfahren sprachen jedem rechtsstaatlichen Verständnis Hohn. Im Ergebnis befand sich bald ein Großteil des lukrativen Volksvermögens im Privatbesitz der einzelnen Mitglieder der alten Nomenklatura. An diesem Punkt setzte eine kleine Riege junger Frühkapitalisten mit internationalem Überblick und eingespeisten Erstausstattungen in Dollar-Kapitalien an. Sie gründeten Banken. Diese wickelten den gesamten Zahlungsverkehr des Staates ab, inklusive der Rentenzahlungen. Die Banken finanzierten mit dem deponierten Geld aber keine operativen wirtschaftlichen Vorgänge, „sondern spekulierten damit auf abenteuerliche Weise an den Devisen- und Anleihemärkten“. Bald gab eine Klasse von nicht einmal einem Dutzend von Talenten den Ton an, „deren führende Mitglieder als Finanzjongleure steinreich geworden waren“. Dazu gehörten Wladimir Gussinskij, Wladimir Potanin, Roman Abramowitsch, und als Führungsfigur Boris Beresowskij, enger Berater von Jelzin. Mitte der 90 Jahre schob sich Michail Chodorkowskij ebenfalls in den Vordergrund. „Auch sein Aufstieg ging vom überaus einträglichen Bankenwesen in Rußland aus“. Er wandelte ein Unternehmen der kommunistischen Jugendorganisation Komsomol in eine Bank um, Menatep, und wurde ihr Generaldirektor. Der große Sprung gelang ihm, als er es Ende 1995 schaffte, bei einer höchst umstrittenen Auktion für 309 Millionen Dollar 78 Prozent der Anteile an Yukos, dem zweitgrößten Ölkonzern des Landes, zu erwerben. Sieben Jahre später ist Yukos mehr als 30 Milliarden Dollar Wert. Das Privatvermögen von Chodorkowskij wird 1992 von der Zeitschrift „Forbes“ auf 8 Mrd. Dollar geschätzt.
Ab 1990
beginnt eine weiter verdichtete Phase der Zusammenarbeit mit amerikanischen
Öl- und Finanzkreisen. Chodorkowskij holt ausländische Manager, macht einen
Amerikaner zum Finanzdirektor (heute Bruce Misamore), CEO wird ab 2003
Steven Theede, vorher Vice President von ConocoPhillips, ein US oil major.
In Amerika macht er Henry Kissinger zu seinem Berater, in England Jacob Rothschild. Er setzt sich für den Bau einer Ölleitung nach Murmansk ein, um Öl in Tankern nach Amerika zu schiffen. Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden von Sibneft, Jewgenij Schwidler, treibt er die Fusion mit seinem kleineren Ölkonkurrenten voran, um den ersten russischen Ölmulti zu schaffen. Zuerst Beresowskij und Gussinskij, später aber auch Chodorkowskij wollten sich jedoch mit dem unerhörten Reichtum nicht begnügen. Sie versuchten, direkt nach der politischen Macht im Kreml zu greifen. Die vom Kreml gezogene rote Linie wird überschritten. Auslöser für den Gegenschlag des Kreml sind letztlich Verhandlungen von Chodorkowskij mit Exxon Mobil und Texaco Chevron über deren Beteiligung am neuen Unternehmen. Der Kreml versteht, dass die staatliche Souveränität bedroht wird.
Präsident
Putin setzt seine Machtmaschinerie in Gang. Steuerfahndung und das Wissen
der Geheimdienste werden aktiviert. Die Fusion Yukos mit Sibneft wird gestoppt. Eine Begebenheit am Rande enthüllt die verschlungenen Beziehungen dieser Akteure zur amerikanischen Finanzwelt. Dem russischen Innenminister, Gryslow, entfährt nach der Verhaftung Chodorkowskijs der eher nostalgische Ausruf, die Ressourcen gehörten dem russischen Volk. Mit Bezug darauf meldet sich Otto Graf Lambsdorff mit der Forderung an die Öffentlichkeit, Russland für diese Auffassung zu bestrafen. Ihm sei der Zugang zum Weltwirtschaftsgipfel der G8-Länder zu verwehren! Bei dieser Gelegenheit erfährt die deutsche Öffentlichkeit, dass Lambsdorff im Advisory Board der Bankgruppe Menatep sitzt, deren größter Teilhaber Chodorkowskij ist, und die 44 Prozent an Yukos hält.
In den Beirat
der russischen Bank ist der Deutsche Lambsdorff auf den Vorschlag des
Amerikaners, Stuart Eizenstat, gekommen.
Quellen: Fallbeispiel
3: Ein weiteres beeindruckendes Beispiel in dieser Kette ist die Machtentfaltung, die der Finanzsektor gegenüber der operativen US-Wirtschaft demonstriert hat. Die Handelsbilanzentwicklung der USA, das gigantische Exportdefizit, hätten makroökonomischen Denkmustern aus Zeiten zufolge, in denen die reale Werte produzierende Wirtschaft noch im Vordergrund der Wirtschaftspolitik stand, eine Abwertung des Dollars gefordert, um dem Entstehen der Defizite in der Handelsbilanz entgegenzuwirken. In den 90er Jahren hatte der Finanzsektor bereits eine Position erlangt, das Gegenteil zu propagieren und zu exekutieren. Robert Rubin, Finanzminister der Clinton-Administration, vorher Co-chairman bei der Investment-Bank Goldmann Sachs & Co., setzte in den Boomzeiten der New Economy die "Policy of A Strong Dollar" durch. Alan Greenspan und die Fed mussten diesen Kurs unterstützen. Diese Politik beschleunigte den Niedergang der operativen US-Wirtschaft und ging damit zu Lasten der dort zu findenden Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung. Deren Exporte wurden immer teurer, während die Exporte des Restes der Welt nach den USA immer billiger wurden. Dies schwächte die ohnehin angeschlagene Exportfähigkeit der USA weiter. >>> Im Themenblock 2 "EU-US-Vergleich" auf dieser Webseite haben wir die verheerenden makroökonomischen Wirkungen für die US-Industrie differenziert belegt. In den USA haben sich die Industrieverbände lange gegen diesen Kurs gewehrt. Sie verfügten während der Clinton-Ära jedoch über eine erstaunlich geringe Öffentlichkeitswirkung. Die "Roaring Nineties" machten operative Einwände gegen jegliche Facette der vermeintlichen Flutung mit Reichtum zunichte. Diese Auseinandersetzung läuft in den USA seit langem unter dem Slogan " Main Street gegen Wall Street". Heute muss diese umgedreht werden; lange schon hat Main St. den Kampf verloren. Daran hat auch George W. Bushs Berufung von John Snow zum Finanzminister nichts geändert. Der trat zwar mit dem Schlachtruf an, der Dollar sei gefährlich überbewertet. Er hat jedoch gegen die herrschenden Machtverhältnisse wenig ausrichten können. Fallbeispiel 4:
Ein
kleinerer Fall, aber trotzdem die Währung eines ganzen Landes: Der bedeutendste Fall einer erfolgreichen Spekulation gegen eine Währung ist der Angriff von George Soros auf das britische Pfund. Wir haben diesen Fall oben schon angesprochen. 1992 löste er durch enorme Verkäufe seines Quantum Funds eine solch hohe Abwertung des Pfundes Sterling aus, dass die Zentralbank von England gezwungen wurde, das Pfund aus dem Europäischen Wechselkursverbund (Vorläufer des EWS) zu nehmen. Soros wurde bekannt als "the man who broke the Bank of England". Regelmäßig herausgestellt wird in diesem Fall der Spekulationserfolg dieser Operation (1,4 Mrd. $ in einer einzigen Nacht (Financial Times). Regelmäßig unter geht die politische Funktion dieser Operation. Das macht das nächste Fallbeispiel deutlich.
Fallbeispiel
5: Europa hat einen sehr erfolgreichen Prozess des Zusammenwachsens hinter sich. Historisch gesehen war es ein großer Schritt von den Römischen Verträgen bis heute. Immerhin haben wir im Euro-Raum eine gemeinsame Währung.
Innerhalb
Europas gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie es weiter gehen
soll. Sie reichen von einer einfachen Freihandelszone über einen
Staatenbund bis hin zum Bundesstaat. Dagegen hat es europäische Opposition gegeben. Das ist normal. Das ist, wie zäh auch immer, überwindbar.
Dagegen hat
es aber vor allem einen entschiedenen Kampf der amerikanischen Finanzwelt
gegeben. Die Position liegt ebenfalls offen zu Tage: Auf keinen Fall darf
die weltweite Vormachtstellung von Wall Street und der US Administration durch Konkurrenzprojekte
gefährdet werden.
Schon zur
bisherigen Entwicklung Europas hat es eine eindeutige amerikanische
Haltung gegeben: So auch wird die verbissene Opposition gegen die Einführung des EURO erklärbar, die in den 90er Jahren von der US Presse täglich entfaltet wurde. US-Opposition ist seither gegen jeden weiteren Vertiefungsschritt in Europa entfaltet worden. Inzwischen ist eine raffinierte Konfiguration erreicht worden.
Drei
Schritte insgesamt sollen zur Verhinderung eines handlungsfähigen
Machtblocks in Europa gegangen werden. Die ersten beiden sind bereits
vollzogen: 1. Schritt: Großbritannien wird aus der europäischen Vereinigung herausgebrochen Die Stellung der US Finanzwelt am Finanzplatz London ist schon lange so stark, dass sich als erster Schritt anbot, dieses Land aus einer verdichteten EU-Lösung herauszunehmen und, soweit schon erfolgt, wieder herauszubrechen. An diesem Punkt ist noch einmal auf den Fall Soros zurückzukommen. The man who broke the Bank of England tat dies nicht nur aus spekulativen Gründen. Die politische Dimension dieser Finanzspekulation ist in einem frühen Kampf gegen die Formierung einer europäischen Währung zu sehen. Als ihm gelang, das Pfund aus dem Europäischen Wechselkursverbund zu vertreiben, legte er den Grundstein für das spätere Herausbleiben Großbritanniens aus dem EURO. (Aus diesem Blickwinkel heraus gesehen wäre auch nicht verwunderlich, wenn er diesen Coup nicht ohne Unterstützung organisiert hätte). Großbritannien hat folglich die Rolle gewählt, in der EU zu bleiben und von innen heraus Daueropposition zu treiben. Premierminister Blair kommt dann von Verfassungsverhandlungen nach London zurück und erläutert der Öffentlichkeit seinen politischen Erfolg daran, welche Integrationsschritte er wieder verhindern konnte.
Die Presse
trägt entscheidend zur
Absicherung dieser Obstruktion bei. Ein Australier, der mächtige internationaler Pressezar
Murdoch, sagt den Engländern, welche Interessen sie zu haben haben. Über
die Mittel zur Beherrschung der politischen Willensbildung wie zur
Beeinflussung der öffentlichen Meinung verfügt er
(Meinungsmacher
The Times, Massenblatt Sun).
2.
Schritt: Überdehnung verhindert Vertiefung
Peter Glotz
gibt das folgende Beispiel, das das Muster aufdeckt:
Das Bündnis ist
soweit überdehnt worden, dass es keinen Machtblock mehr darstellen kann
(durch
Druck von außen implementiertes
'Empire Overstretching'). 3. Schritt: Europa soll zahnlose Freihandelszone werden
Nun steht der
letzte dieser drei Schritte auf der Tagesordnung - die
endgültige Absicherung der Überdehnung.
In dieser
Abgrenzung ist ein
Staatenbund oder Bundesstaat nicht mehr herzustellen.
Wo es danach
weitergehen soll hat Avi Primor (ehemals israelischer Botschafter) in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk bereits
offen gelegt. Die US Politik hat ihren Kampf gegen den Euro in der ersten Runde verloren. Im Kampf gegen die Vertiefung der EU könnte sie, das ist nach heutigem Stand kaum noch auszuschließen, erfolgreich sein. Das könnte die Erklärung für eine resignierende Äußerung des deutschen Außenministers in 2004 sein, er würde heute die Humboldt-Rede in allen Teilen anders halten.
Fallbeispiel 6: Der Fall Long Term Capital Management geriet 1998 in die Schlagzeilen der Weltmedien. Der Hedge-Fonds, gegründet von dem New Yorker Finanzier John Meriwether, geriet in schweres Schlagwetter. Unter anderem von zwei Professoren gemanagt, Robert Merton und Myron Scholes (Nobelpreisträger für mathematische Spekulationsmodelle), verlor der Fonds innerhalb eines Jahres 4,6 Mrd. Dollar. Die amerikanische Zentralbank musste 1998 eine konzertierte Rettungsaktion von weltweit 14 Banken organisieren, da sie bei Außenständen von 200 Mrd. $ eine Destabilisierung des Weltfinanzsystems befürchtete (Thomas Matyssek, Financial Times Deutschland, 21. 6. 2004). Der Unterschied zu Fall-Beispiel Nr. 4: Durch Spekulation brachte Soros eine Währung zu Fall - Meriwether, Merton und Scholes beinahe das Finanzsystem der ganzen Welt. Fallbeispiel 7: Rentensystem - die Weltbank gibt globale Systeme vor Global Governance greift inzwischen tief in die Politik der Einzelstaaten der Welt ein. Ein ganz gewichtiger Fall ist der Umbau der Rentensicherungssysteme. Auf der ständigen Suche nach
höherrentierlichen Anlagemöglichkeiten wurde die Finanzwelt in der ersten
Hälfte der 90er Jahre fündig. Hauptsächlich von der Weltbank aus wurde zu
dieser Zeit die Umstellung der Rentenversicherung vom Umlage- auf das
Kapitaldeckungsverfahren propagiert. (Vgl.
Averting the Old-Age Crisis,
The World Bank, Es geht um folgendes. Das Umlageverfahren dominiert heute in Europa und in den USA . Die Grundprinzipien dieses, in beiden Großräumen auf Bismarck zurückgehenden Systems sind die folgenden:
Bei der Suche nach großen Feldern, auf denen die Renditen der Zukunft gesichert werden können, stießen die Investmentbanken auf dieses System. Als außerordentliche Renditequelle mit großem Potential bot sich die Umorganisation nach dem Kapitaldeckungsverfahren an. Dieses fußt auf den folgenden Grundprinzipien:
Die Investmentbanken und die Finanzwelt würden von einem solchen Kapital-deckungsverfahren in dreifacher Hinsicht profitieren: Erstens würden sie Provisionen von jeder Ansparleistung und von jeder Rentenauszahlung einnehmen. Zweitens würden sie von jeder
Fehlspekulation bei der Anlage der Ansparleistungen an den Finanzmärkten
profitieren. Beim Kapitaldeckungsverfahren stehen den professionellen
Finanzakteuren zum Großteil Akteure gegenüber, deren ökonomischen
Kenntnisse gegen Null tendieren. Hier würde die Umverteilung noch
leichter gelingen als beim Fall 'New Economy'. Drittens hat DB Research auf ein weiteres Risiko aufmerksam gemacht. Fiskalpolitische Anreizsysteme für private Vorkehrungen für die Rentenphase ziehen einen Anstieg der Sparneigung nach sich. Ein weitere Hype für das Kapitaldeckungsverfahren könnte diesen Prozess beschleunigen. "This would lead to an increased demand for savings products, placing upward pressure on asset prices" (DB Research: Inflation is dead! Long live inflation!", April 2004). Auch von einer beschleunigten asset price inflation würden diejenigen am meisten profitieren, die bereits jetzt über den Großteil der Vermögensbestände verfügen. Wie sind die aufgeführten Risiken einzuschätzen? Arthur Levitt, während der Clinton Administration Vorsitzender der US Securities and Exchange Commission (SEC), hat 1998 einen Überblick gegeben: Grundsätzlich, hieß es, werfe die Privatisierung der Rentenversicherung Probleme von "fundamentaler Bedeutung" auf. Aufgabe der SEC sei, die Anleger zu schützen. Jede Form des Investments von Rentenbeiträgen in den privaten Markt werfe aber Probleme auf, die ins Mark dieser Aufgabe gingen. Es würde dann ein nie gekanntes Maß politischer Maßnahmen gegenüber den Aktienmärkten notwendig werden. Andernfalls nämlich seien Betrug und missbräuchliche Marktpraktiken gegenüber den schwächsten Anlegern zu befürchten. Man brauche sich nur das englische Beispiel anzuschauen. Hier habe es das "mis-selling" gegeben, bei dem "high-pressure sales tactics" benutzt wurden, um Bürger aus de öffentlichen Rentensystem heraus- und in unzureichende private Vorsorgekonten hineinzureden. diese hätten dann Verluste in Milliardenhöhe erlitten. Die Risiken der Ansparung individueller Rentenvermögen bestünden in zweierlei: Erstens in den unzureichenden
Fähigkeiten der Anleger: Eine Umstellung des Systems erfordere eine
zusätzliche Qualifizierung der Geldanleger. Dafür jedoch hätten viele
nicht das Potential. die Risiken falscher Investmententscheidungen
bestünden in Unwissen, betrügerischen Ratschlägen und in die Irre
führenden Verkaufspraktiken. Zweitens in hohen Transaktionskosten: Viele Menschen seien sich auch nicht der Kosten dieser Systemumstellung bewusst. Sämtliche Transaktionskosten könnten die Erträge der Anlagen - "sometimes dramatically" - reduzieren. Levitt verwies auf eine Studie aus Chile, wo die Privatisierung des Rentensystems erfolgte, der zufolge dieser Aufwand die jährlichen erträge um fast ein Drittel während der ersten zehn Jahre vermindert habe. Deshalb sei die Nation mit der historischen Frage konfrontiert, ob man den Schutz der Rentenversicherung mit der Vitalität der Märkte verknüpfen solle. Soweit Levitt. Dieses Projekt hat hohes Gewicht für die
Finanzwelt: Die Finanzwelt versucht daher mit aller Macht, weltweit die Rentenversicherungssysteme auf das profitable Kapitaldeckungsverfahren umzustellen. 3. Die neue Weltmacht Die Finanzwelt, mit den Investment Banken an der Spitze, haben eine nie gekannte Machtstellung erreicht. Das zeigen die ausgewählten Fallbeispiele.
Und sie bauen Global Governance weiter aus. Schon 1989 prägte der US-Ökonom, John Williamson, den Begriff des "Washington Consensus". Gemeint waren die Politikentwürfe, die vom Internationalen Währungsfonds und von der Weltbank (beide in Washington D. C. ansässig), und vor allem von der US-Regierung unterstützt, den Einzelstaaten empfohlen wurden. Heute, nach 15 Jahren, ist dieser Begriff überholt, weil die neue Finanzarchitektur die Herrschaftsstrukturen klarer offen legt. Heute geht es um mehr als um einen ‚Washington consensus’. Heute geht es um die Willensbildung, die an der Spitze jeder Machtpyramide ausdiskutiert werden muss, und es geht um die Weitergabe der Entwürfe an die untergeordneten Einzelpyramiden. Heute ist auch diese
Abgrenzung zu sehr an formalen Strukturen orientiert: Ganz sicher sind
es nicht die Präsidenten von IWF und Weltbank, die den Ton angeben. Weltweit
werden nach diesen Vorgaben die Strukturen von Staaten umgebaut.
Global Governance greift
inzwischen tief in die Politik der Einzelstaaten der Welt ein. Ein anschaulicher Indikator zur Messung der Machtposition der Akteure der Finanzwelt sind auch die Einkommen, die dort gezahlt werden:
Anfang der 90er Jahre galt noch als Faustformel für die Einkommensverteilung:
Durchschnittliches
Einkommen zwischen
Management und
Arbeitnehmer Die Umrechnung des Einkommens von George Soros oder des Managements von Investment Banking nach diesem Muster ist müßig. Sie ergibt keinen Sinn mehr. Zwischen dem Zähler und dem Nenner ist jeder sachlogische Zusammenhang abhanden gekommen.
Heiko Thieme, langjähriger
Finanzkolumnist (Brief aus Wall Street), erklärt offen: Auch an diesem Indikator zeigt sich, die Finanzwelt beginnt ein Eigenleben. 4. Ein Weltmachtmodell Zusammenfassen lässt sich die Gesamtanalyse, stark zugespitzt, als grafisches Modell abbilden:
Das Modell skizziert den Stand des dynamischen Wandels. Der Finanzsektor ist an die Spitze der
Machtpyramide gewachsen. Das operative Kapital hat seine einstige Machtposition verloren. Es ist nicht ohne politischen Einfluss, ist aber weitgehend vom Finanzkapital abhängig geworden. Erhellend dazu auch die folgende aktuelle Angabe: „Wir müssen die Unternehmensgewinne genauer betrachten. Sie sind zwar hoch, doch mehr als 40 Prozent aller branchenweiten Profite macht allein das Finanzgewerbe“ (Ryoji Musha, Chefstratege der Deutschen Bank in Tokio;. FAZ 30. Sept. 2004). Die nationalen Regierungen haben die Position, die ihnen noch immer in den Schulbüchern zugewiesen wird, lange eingebüßt. Maßgebliche Politik-Vorlagen erhalten sie heute von oben und exekutieren sie. Beim gesamten Machtfluss von oben nach unten kommt Medien, sowie Wissenschaft, Bildung, Kultur eine wesentliche unterstützende Funktion zu. Demokratischer Einfluss (blauer Pfeil), ein Machtkorrektiv der Bürger, existiert zwar noch. Je komplexer aber die globale Politikarchitektur, um so schwerer, den Pfeil wieder zu verbreitern. Wenn sich Investment Banking an der
Spitze der Pyramide positioniert hat, bedeutet das natürlich nicht Alleinherrschaft. Nach wie vor müssen
auch sie Niederlagen einstecken (Euro z.B.). Einerseits wird die Brisanz dieser Architektur breiter anerkannt, als auf den ersten Blick vermutet werden könnte.
Selbst George Soros, der hier stellvertretend zitiert wird, sieht die
folgenden Perspektiven: Andererseits divergieren aber bei den zu ziehenden Schlussfolgerungen, bei der Frage nach der Reformfähigkeit des Systems, die Auffassungen stark:
Von unten nach oben
wird die folgende Botschaft transportiert: Von
oben nach unten
wird umgekehrt vor allem die Botschaft transportiert: „There is no
alternative“ (TINA). So sieht es auch die Bundesbank Immer wieder würde der Ruf nach
erneuter Regulierung (Kapitalverkehrskontrollen, Tobin-Steuer usw.) laut,
weil ein freier Kapitalverkehr als zu gefährlich angesehen werde. "Dies
dürfte weder angezeigt, noch praktikabel sein"
Wenn also einerseits die Anfälligkeit des Systems durch den weiteren Machtausbau der Finanzwelt zunimmt, andererseits jede Reform zum Rückbau der Finanzarchitektur verhindert wird, stellt sich die Frage, ob eine II. Weltwirtschaftskrise (wegen der Unumkehrbarkeit der Handelsbilanz- und Leistungsbilanzungleichgewichte vor allem zwischen den USA einerseits und Japan sowie China andererseits sowie der damit zusammenhängenden Überbewertung des Dollar und Unterbewertung von Yuan und Yen) unabwendbar wird. Wird sich das Muster wiederholen, das wir oben im zweiten Kapitel herausgearbeitet hatten: I. Weltwirtschaftskrise führt zur Neuordnung der Finanzmärkte?
Damals hieß es: Proletarier aller Länder
vereinigt Euch! |